Ju-Jutsu ist ein modernes Selbstverteidigungssystem, dessen Wurzeln in den traditionellen japanischen Kampfkünsten liegen. Der Name geht auf das japanische Jūjutsu zurück und lässt sich sinngemäß als „sanfte Kunst“ oder „Kunst des Nachgebens“ übersetzen. Gemeint ist mit "sanft" das Prinzip, einem Angriff nicht ausschließlich mit eigener Kraft entgegenzutreten, sondern Bewegung und Kraft des Angreifers für die Verteidigung zu nutzen.
Die Ursprünge des Jūjutsu reichen mehrere Jahrhunderte zurück. In Japan entwickelten verschiedene Schulen Systeme für den bewaffneten und unbewaffneten Nahkampf. Dazu gehörten unter anderem Würfe, Hebel, Festlege- und Würgetechniken sowie Schläge und Tritte. Es gab dabei nicht das eine historische Jūjutsu, sondern zahlreiche Schulen mit unterschiedlichen technischen Schwerpunkten.
Aus diesen japanischen Kampfkünsten entwickelten sich später auch andere bekannte Systeme. Besonders bedeutend war Jigorō Kanō, der Ende des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Jūjutsu-Traditionen sein Judo entwickelte. Auch das moderne Aikido hat historische Wurzeln in japanischen Jūjutsu-Systemen.
In Deutschland verbreitete sich Jiu-Jitsu bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit entstanden unterschiedliche Schulen und Formen der Selbstverteidigung. In den 1960er Jahren entstand schließlich die Idee, ein modernes und systematisch aufgebautes Selbstverteidigungssystem zu entwickeln.
Dafür wurden Techniken insbesondere aus Judo, Karate und Aikido ausgewählt und miteinander kombiniert. Unter Federführung von Franz-Josef Gresch und Werner Heim entstand daraus das deutsche Ju-Jutsu, das 1969 offiziell eingeführt wurde. Im Mittelpunkt stand nicht die Bewahrung einer einzelnen traditionellen Kampfkunst, sondern eine möglichst vielseitige und zeitgemäße Selbstverteidigung.
Das Ju-Jutsu wurde anschließend kontinuierlich weiterentwickelt. Neben Würfen, Hebeln und Festlegetechniken gehören heute unter anderem Schlag- und Tritttechniken sowie Elemente des Boden- und Kontrollkampfes zum System. Damit unterscheidet sich das moderne deutsche Ju-Jutsu vom traditionellen Jiu-Jitsu, auch wenn beide eng miteinander verwandt sind.
1990 wurde der Deutsche Ju-Jutsu Verband (DJJV) gegründet. 1992 wurde Ju-Jutsu als eigenständige Sportart aus dem Deutschen Judo-Bund herausgelöst und entwickelte seitdem ein eigenes sportliches und verbandliches Profil. Heute umfasst der DJJV neben Ju-Jutsu auch Jiu-Jitsu, Brazilian Jiu-Jitsu und Hanbo-Jutsu.
Neben der Selbstverteidigung entwickelte sich auch ein umfangreicher Wettkampfsport. Dadurch ist Ju-Jutsu heute gleichzeitig Selbstverteidigungssystem, Kampfkunst und Kampfsport.
Wo Ju-Jutsu lernen und trainieren?
In Saarbrücken gibt es verschiedene Möglichkeiten, Ju-Jutsu zu trainieren. Der Saarländische Ju-Jutsu Verband hat seinen Sitz in Saarbrücken und ist der zuständige Fachverband für Ju-Jutsu und Jiu-Jitsu im Saarland.
Ju-Jutsu wird in Saarbrücken unter anderem beim PSV Saarbrücken angeboten. Trainiert werden dort Kinder und Erwachsene. Die Haupttrainingsstätte befindet sich in der Sporthalle des Landespolizeipräsidiums in der Mainzer Straße. Eine Zugehörigkeit zur Polizei oder zu einer anderen Behörde ist für die Teilnahme am Kampfsporttraining nicht erforderlich.
Als weiterer Saarbrücker Verein wird vom Saarländischen Ju-Jutsu Verband der JC Malstatt-Saarbrücken geführt.
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Ju-Jutsu wird üblicherweise in einem robusten Kampfanzug, dem sogenannten Gi, trainiert. Dieser bietet gute Griffmöglichkeiten und erleichtert das Üben bestimmter Techniken. Im Ernstfall sollte berücksichtigt werden, dass solche Griffe bei normaler Kleidung nicht immer in gleicher Weise möglich sind.
Die Kampfkunst verbindet unterschiedliche Bereiche des Kampfes und der Selbstverteidigung. Trainiert werden unter anderem Schlag- und Tritttechniken, Würfe, Hebel, Würgetechniken, Feger sowie Festlege- und Kontrolltechniken. Auch die Verteidigung gegen verschiedene Angriffe und das Training am Boden gehören dazu.
Je nach Verein und Trainingsschwerpunkt spielen Selbstverteidigung, traditionelles Techniktraining oder Wettkampf eine unterschiedlich große Rolle. Im Wettkampf gelten zum Schutz der Teilnehmer klare Regeln. Techniken, bei denen ein hohes Verletzungsrisiko besteht, sind je nach Wettkampfform verboten oder stark eingeschränkt. Dazu gehören beispielsweise Angriffe auf die Genitalien sowie Ellenbogentechniken zum Kopf. Ziel des sportlichen Wettkampfes ist es, die eigenen Fähigkeiten mit einem Gegner zu messen, ohne diesen dabei zu verletzen.
Das Kampfsporttraining fördert unter anderem Koordination, Beweglichkeit, Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit und Körperbeherrschung.