Capoeira ist eine afrobrasilianische Kampfkunst, die Elemente aus Kampf, Bewegung, Akrobatik, Tanz und Musik miteinander verbindet. Ihre Wurzeln liegen in Brasilien und sind eng mit der Geschichte der aus Afrika verschleppten und versklavten Menschen verbunden. Die genaue Entstehung der Capoeira lässt sich heute allerdings nicht auf einen bestimmten Zeitpunkt oder eine einzelne Person zurückführen.
Entwickelt wurde Capoeira vermutlich aus verschiedenen Traditionen, die sich unter den Bedingungen der Sklaverei in Brasilien weiterentwickelten. Capoeira wurde dabei nicht nur als körperliche Auseinandersetzung, sondern auch als Ausdruck kultureller Identität und des Widerstands gegen Unterdrückung praktiziert.
Nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahr 1888 endete die Verfolgung der Capoeira nicht. Im brasilianischen Strafgesetzbuch von 1890 wurde die sogenannte „Capoeiragem“ ausdrücklich unter Strafe gestellt. Wer Capoeira auf Straßen und öffentlichen Plätzen praktizierte, musste mit einer Gefängnisstrafe rechnen.
Eine entscheidende Rolle bei der späteren Anerkennung der Capoeira spielte Manuel dos Reis Machado, besser bekannt als Mestre Bimba. Ende der 1920er Jahre entwickelte er in Salvador da Bahia einen neuen, systematisierten Stil, aus dem die Capoeira Regional entstand. 1932 gründete er eine eigene Schule. 1937 erhielt seine Akademie eine offizielle Genehmigung und konnte Capoeira damit legal unterrichten.
Neben Mestre Bimba prägte Mestre Pastinha die Entwicklung der traditionellen Capoeira Angola. Beide Richtungen beeinflussen Capoeira bis heute. Während Capoeira Regional stärker systematisiert und auf ein strukturiertes Training ausgerichtet wurde, bewahrte Capoeira Angola viele traditionelle Elemente und Spielweisen.
Der Kampfsport wird traditionell in der Roda, einem Kreis aus Capoeiristas und Musikern, gespielt. Zwei Personen bewegen sich innerhalb des Kreises miteinander und gegeneinander. Begleitet wird das Spiel unter anderem durch Gesang, Händeklatschen und Instrumente wie den Berimbau, der Rhythmus und Charakter des Spiels wesentlich bestimmt.
Aus einer zeitweise verbotenen und verfolgten Ausdrucksform entwickelte sich Capoeira zu einem international verbreiteten Bestandteil der brasilianischen Kultur. 2008 wurde die Capoeira-Roda in Brasilien als nationales Kulturerbe anerkannt. Seit 2014 steht die Roda de Capoeira außerdem auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO. Ebenfalls aus Brasilien kommt das bekannte BJJ.
Wo Capoeira lernen und trainieren?
Beim Unisport an der Universität Saarbrücken findet man Capoeira derzeit nicht.
Auch im Programm der VHS in Saarbrücken ist aktuell kein Capoeira-Angebot zu finden.
In Saarbrücken kann man Capoeira unter anderem beim SFBC 09 e.V. trainieren.
Dort werden Kurse für Kinder und Erwachsene angeboten.
Es werden vor allem Tritte, Ausweichbewegungen, Feger und akrobatische Bewegungen trainiert und Capoeira fördert besonders Beweglichkeit, Koordination, Gleichgewicht, Reaktionsfähigkeit sowie Körperbeherrschung.
Als Selbstverteidigung ist es nur eingeschränkt geeignet, denn je nach Schule und Stil werden beispielsweise Faustschläge, Ellenbogen- und Kniestöße kaum oder gar nicht trainiert. In Wettkämpfen sind verschiedene dieser Techniken sogar verboten.
Wer dagegen ein dynamisches Training mit vielen Tritten und akrobatischen Elementen sucht, sollte sich Capoeira einmal anschauen.